Erich Mielke – Meister der Angst



27.10.2015, Lichtenberg


(Lichtenberg) Dienstagmorgen im Gebäudekomplex an der Normannenstraße, Magdalenenstraße, Ruschestraße, Hauptdienstsitz des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit der Deutschen Demokratischen Republik, Haus 1 - am Ort des Geschehens, einem Täterort. Symbolträchtiger konnte man das neue Dokudrama um den meistgehassten Mann der DDR, Stasi-Minister, Erich Mielke nicht vorstellen. Unterstrichen wurde die Bedeutung des Werkes durch die Anwesenheit und Kommentare des Stasi-Beauftragten Roland Jahn. Am 5. November 2015 kommt „Erich Mielke – Meister der Angst“ in die Kinos.




Fast über die gesamte Zeit der DDR, nämlich 32 von 40 Jahren, stand an der Spitze des Ministeriums für Staatssicherheit, Armeegeneral Erich Mielke. Im Selbstverständnis sah sich die Stasi als Schild und Schwert der Partei (der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands – SED). Mielke war die Stasi und die Stasi war Mielke. Allmachtsphantasien.




Die Regisseure Jens Becker und Maarten van Duin haben sich für das populäre Format des Dokudramas entschieden und verweben umfangreiches dokumentarisches Material aus weltweiten Archiven (BSTU, BND, CIA, FSB), Zeitzeugeninterviews und fiktionale Szenen zu einem stimmigen Ganzen. Die Produktion stand unter der Fragestellung, nicht einfach nur das offizielle Leben Mielkes anhand seiner Ämter und Funktionen nachzuzeichnen, sondern auch etwas über die Eigenschaften und Charakterzüge dieses Überzeugungstäters aufzudecken, gleichsam den Menschen hinter dem Amt darzustellen, gewissermaßen ein Psychogramm zu zeichnen.

Die Spielfilmszenen (Erich Mielke überzeugend dargestellt vom Berliner Charakterdarsteller Kaspar Eichel) beschränken sich auf zwei zentrale Zeiträume am relativen Ende des Lebensweges 1989 und 1991. Zum einen zeigt es den vitalen 83-jährigen Vollblutgenossen auf dem Höhepunkt seiner Macht 1989. Zum anderen, nur zwei Jahre später, den Haftinsassen des Kriminalgefängnisses Moabit als gebrochener Mann in totaler Resignation. Damit beginnt der Film; der einst mächtigste Mann im Staate, der aufgrund seines Repressionsapparates de facto über mehr physische Macht verfügte als Erich Honecker, als SED-Generalsekretär, wird verängstigt im Rollstuhl gezeigt und reflektiert über sein Leben und sein Scheitern gegenüber den fiktiven Psychogin  Anna-Luise Brand (Beate Laaß).




Gelernt ist gelernt

Mielke war Ordnungsfanatiker, Perfektionist, Überzeugungstäter und ging im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen. Der glühende und militante Kommunist ermordet im August 1931 auf dem Bülowplatz (heute Rosa-Luxemburg-Platz) in der Nähe des Thälmannhauses der Kommunistischen Partei Deutschlands zwei Polizisten. Im Oktober 1993 wird Mielke wegen Mordes zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Der Kreis hat sich geschlossen.




Für den polyglotten Mielke, er sprach fließend Russisch, beherrschte Französisch und Spanisch und besaß Englischkenntnisse, gliederte sich die Welt klar in gut und böse. „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.“ Fressen oder gefressen werden. Der proletarische Straßenkampf in Berlin, die Zeit bei den Interbrigadisten in Spanien, das Exil in Moskau mit den Schauprozessen 1936 haben den späteren Minister umfassend geschult und geprägt. Zur Ordnung gehört Macht und Kontrolle. Diese muss nach Mielke auch gegebenenfalls rücksichtslos und brutal durchgesetzt werden. Keinem kann man trauen. Misstrauen ist überlebenswichtig. Hier sind die Ursprünge für den flächendeckenden, totalitären Überwachungsapparat zu suchen, der aus Hunderttausenden offiziellen und inoffiziellen Mitarbeitern (IM) bestand, dessen zermürbender und subtiler Terror Zehntausende ins Gefängnis brachte und ungezählte menschliche Schicksale produzierte. Viele Opfer leiden noch heute – 25 Jahre nach dem Ende dieses Schreckens und Grauens – an den (psychischen) Spätfolgen (Traumata).



Der Film nimmt seine Hauptfigur ernst. Und auch der Schauspieler Kaspar Eichel ist davor gefeit Mielke zur Karikatur werden zu lassen. Dafür hat der Minister in der berühmten „Ich-liebe-Euch-doch-alle“-Rede vor der Volkskammer am 13. November 1989 selbst gesorgt. Eichel verinnerlicht auf beeindruckende Weise Rhetorik, Gestik und Mimik des Ministers. Der Film beschreibt Mielke auch als begeisterten Jäger, Naturfreund, Alleinunterhalter, Sportsfreund und manipulativer Fan unter 1. Vorsitzender des BFC Dynamo Berlin. Abgerundet mit Zeitzeugeninterviews  kommt der Film nahe an den Menschen und Paranoiker Erich Mielke heran.

(Bericht und Bild: Dirk Braitschink)




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